Beratung bei Schwangerschaft/ Elternschaft

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Eltern werden – Partner bleiben !

Es gibt weniges, was das Leben eines Paares so nachhaltig verändert wie die Geburt eines Kindes.
Beginnend ab der Schwangerschaft sind es neue Themen und Fragen, die Sie als werdende Mutter oder Vater beschäftigen. Neben wachsender Vorfreude kann sich insbesondere bei Ihnen als Frau mit den körperlichen Veränderungen auch Unsicherheiten in Bezug auf die zukünftige Rolle, Sorge oder Traurigkeit über die Aufgabe der gewohnten Autonomie mischen. Und auch wenn Sie als Mann zu diesem Zeitpunkt noch nicht mittelbar von Veränderungen erfasst sind, so sind auch Sie möglicherweise mit Zweifeln oder Unsicherheiten hinsichtlich der Lebensveränderung in Berührung.
Für Sie beide Partner*innen ist die Schwangerschaft eine gemeinsame Vorbereitungszeit auf die zukünftige Zeit zu dritt – selbst wenn diese noch eher vage vorstellbar ist, so macht es dennoch Sinn, sich bereits jetzt über Vorstellungen auszutauschen und partnerschaftliche Absprachen für zukünftige Rollenverteilungen zu treffen.

Da kann es um solcherart Fragen gehen wie:

Wer steht wann/an welchen Tagen nachts auf, wenn das Baby etwas braucht? Wer kauft ein? Wer geht zum Kinderarzt? Wer ist in welchem Umfang für kochen und Haushalt zuständig? Wie lange möchte wer von Ihnen beiden Elternzeit nehmen und für das Baby zu dieser Zeit hauptverantwortlich Sorge tragen – das heißt, wie kann eine gemeinsame Versorgung des Kindes gelingen? Ab wann ist uns eine (zusätzliche) Betreuung durch andere Personen denkbar? Wie können uns beiden Partner*innen ein Mindestmaß Zeit für je sich selbst eingeräumt werden (das könnte in der ersten Zeit z.B. ein Rückbildungskurs, ein Spaziergang oder ein Sport sein)? Wie können wir feste Paarzeiten einplanen?

Viele Herausforderungen entstehen erst im realen Alltag nach der Geburt, an denen (auch stabile) Paare wachsen müssen und die mit Faktoren wie Schlafmangel, ständiger Verfügbarkeit für das Baby und gleichzeitiger Belastungen durch den Job zu tun haben können. Auch die gemeinsame Sexualität kann von Veränderungen betroffen sein und sich in unterschiedlichem Begehren und Bedürfnissen zeigen.

Es gibt Dinge, die Ihnen hilfreich sein mögen, in diesen neuen, schönen und aufregenden Lebensabschnitt gut hineinzufinden:

• Reden, reden, reden! Über Erwartungen an den/die Partner*in, über die eigenen Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche.
• Für Entlastung sorgen: gleich zu Beginn im Wochenbett (vorkochen und einfrieren, vom Besuch Essen mitbringen lassen, Einkäufe delegieren etc.) aber auch in der Folgezeit hinsichtlich Haushalt, Kinderbetreuung, kleinen Auszeiten.
• Liebevolle Zugewandtheit und Wertschätzung als Paar pflegen. Das ist eh klar? – Dann dies am besten nicht nur für sich denken, sondern auch dem Partner/der Partnerin gegenüber ausdrücken, durch Worte oder Gesten!
• Bewusste Planung von Paarzeiten, selbst wenn diese kurz sind (z.B. eine Stunde als Paar spazieren oder Kaffee trinken gehen, während eine Vertrauensperson beim Baby bleibt).
• Toleranz, Autonomie und Freiräume: dies bedeutet, den/die andere die Baby-Fürsorge auf seine oder ihre Art gestalten lassen (das kann andere Schlafensrituale, Kleidungsauswahl, Art zu spielen etc. betreffen) und trotz möglicherweise verschiedener Erziehungsstile als Eltern zu kooperieren.
Es ist wichtig, der/dem anderen autonome Bedürfnisse zuzugestehen (Freund*innen treffen, shoppen gehen, Sport machen etc.) und dadurch beiden ein Stück Freiraum zu ermöglichen!
• Kontakt zu Gleichgesinnten pflegen tut gut: Kontakt zu anderen Jung-Eltern aufbauen, mit dem Kind unter Leute gehen (Spielgruppen, Kinderturnen, Babyschwimmen, Mütter-Yoga, Väter-Treffen etc.).
• Gerade in stressigen Zeiten können kleine feste Rituale Halt geben und das Miteinander als Paar stärken: z.B. jeden Abend eine kurze Zeit reservieren (10-15 Minuten), zu der jede*r erzählen kann, was eine*n bewegt, wie man sich fühlt, welche Ereignisse des Tages anstrengend oder erfüllend waren.
Es geht auch noch kürzer: Die Wertschätzung füreinander könnten Sie damit stärken, indem Sie jeden Abend dem Partner/der Partnerin gegenseitig 3 Dinge mitteilen, die Sie heute an ihm geschätzt haben, wofür Sie dankbar waren, worüber Sich gefreut haben.
• Für die erste Familienzeit, aber auch für alle folgende Jahre immer hilfreich: klare Absprachen treffen, aber sich auch in Gelassenheit, Flexibilität und Kompromissfähigkeit versuchen. Dies gelingt nicht immer, aber lässt sich entwickeln!

Wenn festgefahrene Konflikte guten Kontakt miteinander behindern, die Erschöpfung dauerhaft im Vordergrund steht, einer/eine bzw. beide von Ihnen stets das Gefühl haben, er/sie kommt zu kurz oder freudvolle Paarzeiten neben Alltagsanforderungen kaum mehr vorhanden sind, ist es ratsam, sich Unterstützung zu holen.